Was ist das Ridden Horse Pain Ethogram (RHpE)?

Das Ridden Horse Pain Ethogram (RHpE) ist ein wissenschaftlich validiertes Instrument zur Erkennung von Schmerzen und Unwohlsein bei gerittenen Pferden. Es umfasst 24 spezifische Verhaltensweisen, die klar auf Schmerzen hinweisen. Diese Erkenntnisse sind längst bekannt und durch Studien belegt, werden aber im Reit- und Turniersport sowie bei der Pferdenutzung oft ignoriert.

Warum ist das RHpE wichtig?

Es ist höchste Zeit, dass wir aufhören, diese Signale zu übersehen. Die Studien zeigen eindeutig, dass diese Verhaltensweisen Schmerzsymptome sind. Wenn wir wollen, dass unser Reitsport langfristig fortbesteht, müssen wir die Zeichen erkennen und handeln.

Die 24 Verhaltensweisen im RHpE

1. Kopfposition ändern: Heben und Senken des Kopfes im Takt des Trabs.

2. Kopfneigung: Wiederholtes Neigen des Kopfes.

3. Kopf vor der Vertikalen: Mehr als 10 Sekunden.

4. Kopf hinter der Vertikalen: Mehr als 10 Sekunden.

5. Kopfposition regelmäßig ändern: Werfen oder Drehen des Kopfes von Seite zu Seite.

6. Ohren nach hinten gedreht: Beide oder eines der Ohren sind mehr als fünf Sekunden nach hinten gerichtet oder flach angelegt.

7. Augenlider halb oder ganz geschlossen: Für zwei bis fünf Sekunden.

8. Weißes Auge sichtbar: Wiederholtes Sichtbarwerden des Weißes der Augen.

9. Intensives Starren: Mehr als fünf Sekunden.

10. Maul öffnen und schließen: Wiederholtes Öffnen und Schließen des Mauls für mehr als zehn Sekunden.

11. Zunge herausstrecken: Die Zunge hängt heraus oder wird wiederholt herausgestreckt.

12. Gebiss durch den Mund gezogen: Das Gebiss wird auf einer Seite (links oder rechts) durch den Mund gezogen.

13. Schweif geklemmt oder zur Seite gehalten: Der Schweif ist fest eingeklemmt oder zur Seite gehalten.

14. Schweifschlagen: Große, wiederholte Bewegungen des Schweifs.

15. Eiliges Gangbild: Häufigkeit der Trabtritte mehr als 40 in 15 Sekunden; unregelmäßiger Rhythmus im Trab oder Galopp.

16. Langsames Gangbild: Häufigkeit der Trabtritte weniger als 35 in 15 Sekunden; traben im Passage-Stil.

17. Hinterbeine folgen nicht den Vorderbeinen: Abweichung nach links oder rechts.

18. Falscher Galopp: Wiederholte falsche Galoppwechsel.

19. Gangartwechsel: Spontane Wechsel der Gangart, z.B. vom Galopp in den Trab.

20. Stolpern oder Straucheln: Wiederholtes Stolpern oder Straucheln.

21. Plötzliche Richtungswechsel: Plötzliche Richtungswechsel gegen die Richtung des Reiters.

22. Widerwilligkeit vorwärts zu gehen: Das Pferd muss getrieben werden oder bleibt spontan stehen.

23. Steigen: Beide Vorderbeine verlassen den Boden.

24. Bocken oder Ausschlagen: Ein oder beide Hinterbeine schlagen aus.

Anwendung des RHpE in der Praxis

1. Beobachtung: Das Pferd wird unter dem Reiter in verschiedenen Gangarten und Situationen beobachtet.

2. Dokumentation: Jedes auftretende schmerzbezogene Verhalten wird dokumentiert.

3. Bewertung: Die Verhaltensweisen werden anhand der Ethogramm-Liste bewertet und quantifiziert.

4. Analyse: Die Ergebnisse werden analysiert, um festzustellen, ob das Pferd Anzeichen von Schmerzen oder Unwohlsein zeigt.

Klinische Bedeutung des RHpE

Das RHpE ist besonders nützlich, um die Effektivität von Behandlungsstrategien zu bewerten. Durch die regelmäßige Anwendung können Tierärzte und Trainer Fortschritte oder Rückschläge in der Schmerzlinderung und im Wohlbefinden des Pferdes genau verfolgen. Zudem hilft das RHpE, die Ursache von Verhaltensproblemen zu identifizieren, die durch Schmerzen oder Unwohlsein verursacht werden könnten.

Behandlungsmöglichkeiten bei positivem RHpE-Befund

Wenn das RHpE auf Schmerzen oder Unwohlsein hinweist, sollten folgende Schritte unternommen werden:

– Tierärztliche Untersuchung: Ein gründlicher Check durch den Tierarzt, um die Ursache der Schmerzen zu identifizieren.

– Behandlung der zugrunde liegenden Ursache: Je nach Diagnose können Behandlungen wie entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie, Chiropraktik oder gezielte Trainingsprogramme notwendig sein.

– Anpassung der Ausrüstung: Sicherstellen, dass Sattel, Zaumzeug und andere Ausrüstungsgegenstände korrekt passen und keine Schmerzen verursachen.

– Regelmäßige Überprüfung: Fortlaufende Anwendung des RHpE, um die Wirksamkeit der Behandlungen zu überwachen und das Wohlbefinden des Pferdes zu gewährleisten.

Unser Appell

In unserer Praxis appellieren wir dringend daran, mehr über diese Symptome nachzudenken. Es ist entscheidend, diese Anzeichen frühzeitig zu erkennen und herauszufinden, wo sie herkommen, damit sich die Probleme nicht zu schlimmen, chronischen Zuständen manifestieren. Es muss endlich Schluss sein mit dem Ignorieren dieser wissenschaftlich belegten Schmerzsignale, wenn wir wollen, dass unser Reitsport auch in Zukunft bestehen bleibt.

Fazit

Das Ridden Horse Pain Ethogram (RHpE) ist ein wertvolles Instrument zur Erkennung von Schmerzen und Unwohlsein bei gerittenen Pferden. Es ist nicht nur längst wissenschaftlich validiert, sondern auch absolut notwendig, um den Reitsport zukunftsfähig zu machen. Wenn dz vermutest, dass dein Pferd Schmerzen hat oder sich unwohl fühlt, ignoriere das nicht! Sprich mit deinem Tierarzt über die Anwendung des RHpE und die geeigneten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen.

Bei weiteren Fragen oder zur Terminvereinbarung stehen wir dir gerne zur Verfügung.

Dein Team-Pferd des Tierärzte-Team Erzgebirge